Bevor du anrufst — was hilft, was schadet

Fünf Dinge, die du ohne Werkzeug zuerst versuchst, und sieben, die du besser nie versuchst. Eines davon kann den ganzen Einsatz kostenlos machen, und eines kostet jedes Jahr Menschen das Leben.

Alle Preisbänder, Warnsignale und Rechte im Überblick.

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Die teuerste Minute einer Aussperrung ist die erste. Wer sofort das erstbeste Suchergebnis anruft, hat die Reihenfolge verloren, bevor überhaupt jemand losgefahren ist. Diese Seite ist die Reihenfolge: was du in den ersten zehn Minuten der Reihe nach probierst, und was du auf keinen Fall probierst, weil es aus einer Aussperrung einen Schaden macht.

Warum diese Seite überhaupt existiert

Eine Aussperrung ist keine Notlage, weil die Tür zu ist, sondern weil man unter Druck entscheidet. Genau darauf ist das unseriöse Geschäft gebaut: Der Preis entsteht nicht am Telefon, sondern vor der offenen Tür, und was dazwischen passiert ist, kann hinterher niemand mehr nachvollziehen. Der beste Schutz dagegen ist deshalb kein Preisvergleich, sondern zehn Minuten in der richtigen Reihenfolge — und die endet in vielen Fällen ganz ohne Handwerker.

Diese Seite verkauft nichts. Sie vermittelt keinen Betrieb, sie führt kein Verzeichnis und sie nennt keine Telefonnummer. Wenn du nach dieser Seite niemanden anrufen musst, ist das das beste mögliche Ergebnis. Ein Anbieter könnte diesen Text nicht veröffentlichen; deshalb steht er hier.

Was du zuerst versuchst

Alles in dieser Liste ist ohne Werkzeug zu machen, nichts davon fasst das Schloss an, und jeder einzelne Punkt kann den Einsatz überflüssig machen. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Der erste Punkt entscheidet, worüber du in allen weiteren sprichst.

Klären, ob die Tür zugezogen oder abgeschlossen ist

Hast du den Schlüssel gedreht, oder ist die Tür dir nur ins Schloss gefallen? Diese eine Frage entscheidet über alles, was danach kommt: über die Arbeit, über den Preis und darüber, ob Aufbohren überhaupt jemals ein Thema ist. Der ADAC nennt für die zugefallene Tür 80 bis 150 Euro am Werktag tagsüber und 150 bis 250 Euro nachts, am Wochenende und am Feiertag — für die abgeschlossene Tür, die Mehrfachverriegelung und die Sicherheitstür dagegen „ab rund 200 Euro“, ohne jede belegte Obergrenze.

Kläre es, bevor du irgendwen anrufst, und notiere deine eigene Antwort mit der Uhrzeit: Deine Schilderung am Telefon ist das, woran der Preis später gemessen wird, und die Verwechslung der beiden Fälle ist das Geschäftsmodell der unseriösen Anbieter. Wie die fünf Türzustände von der Kante aus aussehen, steht als Zeichnung auf Türzustand vergleichen.

Hausverwaltung oder Hausmeister anrufen

In einem Mehrfamilienhaus ist das der erste Anruf und nicht der letzte. Viele Hausmeister haben einen Generalschlüssel, viele Verwaltungen eine Nummer für außerhalb der Bürozeiten, und nicht wenige haben einen Rahmenvertrag mit einem Schlüsseldienst zu festen Preisen — das ist ein besserer Preis, als du nachts allein aushandelst. Die Nummer steht am Aushang im Hausflur, im Mietvertrag oder auf der letzten Nebenkostenabrechnung; wer sie jetzt nicht findet, fragt einen Nachbarn, der länger im Haus wohnt.

Und ist das Schloss selbst defekt oder der Schlüssel im verschlissenen Zylinder abgebrochen, ist das ein Mangel der Mietsache: Dann gehört der Auftrag dem Vermieter und nicht dir, und du solltest ihn erreichen, bevor du selbst beauftragst.

Nachbarn, Partner, Familie — der Zweitschlüssel

Der beste Schlüsseldienst ist der Zweitschlüssel, der schon in der Nähe liegt. Denk dabei weiter als an die eigene Wohnungstür: der Partner mit dem Schlüssel in der Jackentasche im Büro, die Eltern zwei Straßen weiter, die Mitbewohnerin im Spätdienst, der Nachbar, dem du im Urlaub die Blumen gegossen hast. Eine halbe Stunde Fahrtzeit ist fast immer kürzer als die Wartezeit auf einen Notdienst und immer billiger.

Auch ohne Zweitschlüssel ist der Nachbar der richtige Klingelknopf: Du bekommst ein Telefon, einen Stuhl, Licht und Zeit — und Zeit ist genau das, was ein Notdienst dir zum Nachtzuschlag verkauft. Wer in Ruhe telefoniert, ruft am Ende einen ortsansässigen Betrieb zum Tagespreis an und nicht den ersten Treffer um zwei Uhr nachts.

Versicherung oder Schutzbrief fragen — der Anruf, den fast niemand macht

Das ist der Anruf mit dem größten Hebel, und am Türspalt denkt praktisch niemand daran. Manche Haus- und Wohnungsschutzbriefe übernehmen eine Türöffnung bis zu einer festen Summe und schicken selbst einen geprüften Betrieb, meist über eine Hotline rund um die Uhr — dann kostet dich der Einsatz nichts oder fast nichts. Solche Bausteine stecken in Hausrattarifen, in den Schutzbriefen von Automobilclubs und in den Leistungspaketen mancher Kreditkarten. Ob deiner einen hat, steht in der Police, und die Hotline weiß es in zwei Minuten.

Wichtig ist die Reihenfolge: erst die Versicherung, dann der Betrieb. Wer selbst beauftragt hat, hat die Wahl des Betriebs und oft auch die Erstattung bereits vergeben. Eine Zahl steht hier bewusst nicht: Keine der Verbraucherschutzquellen dieser Seite nennt eine Deckungssumme für die Türöffnung — welche gilt, steht allein in deinem Vertrag. Zwei Grenzen sind dagegen klar: Die Hausratversicherung zahlt eine Türöffnung nicht deshalb, weil du ausgesperrt bist, sondern nach einem Einbruch. Und wer den Schlüssel verloren hat, fragt zusätzlich die Privathaftpflicht, wenn Schlüsselverlust mitversichert ist — die deckt den Schaden am Schloss, nicht die Öffnung.

Den eigenen zweiten Zugang prüfen

Terrassentür, Kellertür, Garage, die Tür zum Hof, die Wohnungstür der Mitbewohnerin: Wer auf dem eigenen Grundstück einen zweiten Weg hinein hat, sollte ihn prüfen, bevor er jemanden bestellt. Zwei Einschränkungen gelten hart. Es muss dein eigener Zugang sein — nicht der Balkon des Nachbarn und nicht das Fenster der Wohnung darunter. Und er muss vom Boden aus zu erreichen sein. Alles, wofür man klettern muss, steht in der zweiten Liste, und dort ganz oben.

Wenn du schon dabei bist: Der Schlüssel unter der Fußmatte oder im Blumentopf ist keine Lösung für das nächste Mal, sondern der Ort, an dem jeder zuerst nachsieht. Hinterleg ihn bei einem Menschen.

Erst wenn diese fünf Punkte durch sind, ist ein Schlüsseldienst überhaupt die richtige Antwort.

Was du nicht versuchst

Diese Liste ist die wichtigere. Die Punkte oben sparen dir Geld; die Punkte hier verhindern, dass aus einer zugezogenen Tür ein Schaden, eine Anzeige oder ein Krankenhausaufenthalt wird. Hinter jedem einzelnen steht ein Schaden, der größer ist als der Einsatz, den er ersparen sollte.

Was im Netz empfohlen wirdWas wirklich passiert
Die Kreditkarte in den TürspaltZielt allein auf die Falle, zerstört meist die Karte, beschädigt Dichtung und Zarge — und sieht im Treppenhaus aus wie ein Einbruch
Über den Balkon oder das gekippte FensterDer einzige Punkt dieser Liste, an dem Menschen sterben
Selbst aufbohren oder aufhebelnMacht aus einer Öffnung ohne Schaden einen Zylindertausch, für dessen Material keine Quelle einen Preis nennt
WD-40 in den Zylinder sprühenKriechöl ist kein Schlossöl: Es spült den Schmierfilm heraus und bindet Staub
Sekundenkleber an das abgebrochene BruchstückKlebt das Bruchstück dauerhaft im Zylinder fest — danach hilft nur noch Bohren
Am klemmenden Schlüssel ziehen und reißenEr bricht ab; aus dem billigeren Fall wird der teurere
Jemanden losfahren lassen, ohne FestpreisDer Preis entsteht dann vor deiner offenen Tür statt am Telefon

Die Preisangaben auf dieser Seite stammen vom ADAC (Stand Juni 2026), von der Verbraucherzentrale Hamburg (Stand 25. Januar 2024) und aus der Preisempfehlung des Unternehmensverbands Metall Baden-Württemberg von 2017, abgedruckt bei Stiftung Warentest. Wo keine dieser Quellen eine Zahl nennt, steht hier keine.

Die Kreditkarte in den Türspalt

Der bekannteste Trick des Internets und der schlechteste. Er zielt ausschließlich auf die schräge Falle — also auf genau den einen Türzustand, bei dem ein Fachbetrieb ohnehin ohne Schaden öffnet. An einem vorgeschobenen Riegel richtet er nichts aus, und an einer Tür mit Fallensicherung oder Sicherheitsschließblech ebenfalls nicht. Was er dagegen zuverlässig tut, sind drei Dinge.

Er zerstört die Karte. Eine Bank- oder Kreditkarte ist kein Werkzeug; sie knickt, splittert oder verliert den Chip, und dann steht neben der verschlossenen Tür auch noch die Sperrung und die Neubestellung an. Er beschädigt die Tür. Dichtung, Schließblech und Zargenkante bekommen Kratzer und Riefen — an einer Mietwohnung ist das ein Schaden, den du selbst verursacht hast, und er bleibt sichtbar, auch nachdem die Tür längst offen ist. Und er sieht aus wie ein Einbruch. Wer nachts im Treppenhaus mit einer Karte am Türspalt hantiert, ist für den Nachbarn hinter dem Spion kein Ausgesperrter, sondern ein Einbrecher. Die Polizei kommt dann zu dir, und du musst vor deiner eigenen Tür beweisen, dass sie dir gehört.

Der Punkt ist nicht, dass es schwierig wäre. Der Punkt ist, dass es an genau der Tür ansetzt, für die es die günstigste und am besten belegte Lösung gibt: Die Innung selbst hält eine Türöffnung in 99 Prozent der Fälle ohne Beschädigung für möglich — zitiert von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Über den Balkon, das Vordach oder das gekippte Fenster

Hier relativiert diese Seite nichts. Menschen stürzen jedes Jahr ab, während sie sich vom Nachbarbalkon zum eigenen hangeln oder über ein Vordach zum Küchenfenster klettern, und ein Sturz aus dem ersten Stock auf Pflaster reicht aus, um daran zu sterben. Es braucht dafür keinen Leichtsinn und keinen Alkohol — eine nasse Brüstung, ein loses Geländer oder ein Blumenkasten, der nachgibt, genügen.

Das gekippte Fenster ist die zweite Falle, und sie ist weniger bekannt. Der Spalt läuft nach unten spitz zu: Ein Körper, der kopfüber hineinrutscht, verkeilt sich mit dem Brustkorb im Rahmen, kommt aus eigener Kraft nicht mehr heraus und kann in dieser Haltung nicht mehr richtig atmen. Wer allein unterwegs ist, hat dann niemanden, der ihn findet.

Zwischen einer Türöffnung, für die der ADAC 80 bis 150 Euro am Werktag tagsüber und 150 bis 250 Euro nachts, am Wochenende und am Feiertag nennt, und diesem Risiko steht kein Betrag, über den sich nachdenken ließe. Auch nicht am Feiertag. Auch nicht, wenn es die einzige Nacht ist, in der du keinen Schutzbrief hast.

Das Schloss selbst aufbohren oder die Tür aufhebeln

Die Innung selbst sagt, zitiert von der Verbraucherzentrale Hamburg, dass in 99 Prozent der Fälle eine Türöffnung ohne Beschädigung möglich ist. Wer bohrt oder hebelt, gibt diese 99 Prozent freiwillig auf — und zwar in die eine Richtung, die sich nicht zurücknehmen lässt.

Der Preisunterschied ist der zweite Teil. Aus einem Einsatz mit belegtem Preisband — 80 bis 150 Euro werktags tagsüber, 150 bis 250 Euro nachts, am Wochenende und am Feiertag (ADAC) — wird ein Zylindertausch, und für den Materialpreis eines Schließzylinders nennt keine zitierbare Quelle eine Zahl; der ADAC verzichtet ausdrücklich darauf. Belegt ist allein ein Materialzuschlag von 36 Euro aus der Preisempfehlung des Unternehmensverbands Metall Baden-Württemberg von 2017, abgedruckt bei Stiftung Warentest — und das ist ein Zuschlag für den Materialeinsatz, nicht der Preis des Bauteils. Du tauschst damit einen Fall mit Preisband gegen einen ohne.

Dazu kommen zwei Folgen, an die niemand denkt. Ein angebohrter Zylinder macht die Arbeit des Fachbetriebs, der danach kommt, länger und nicht kürzer: Die Grundpauschale der Innungsempfehlung deckt bis zu 15 Minuten ab, darüber hinaus fallen 18,90 Euro je angefangene Viertelstunde an. Und eine aufgehebelte Zarge ist ein Schaden an der Mietsache, den du selbst verursacht hast — anders als ein verschlissener Zylinder, für den der Vermieter zuständig wäre.

WD-40 oder Speiseöl in den Zylinder

WD-40 ist ein Kriech- und Wasserverdrängungsmittel, kein Schlossöl, und der Unterschied ist genau der, auf den es ankommt. Es löst den vorhandenen Schmierfilm heraus, bleibt selbst nicht als Schmierung auf den Stiften und bindet mit der Zeit Staub zu einer zähen Schicht. Ein Zylinder, der vorher schwergängig war, geht danach kurz leichter und irgendwann gar nicht mehr. Speiseöl, Fett und Haarspray sind dieselbe Geschichte in schneller.

Das richtige Mittel ist ein anderes Produkt: Graphitpulver oder ein ausdrücklich für Schließzylinder ausgewiesenes Schlossspray. Und es ist Wartung, kein Notfallwerkzeug. Ein Zylinder, der seit Wochen hakt, gehört an einem Werktag repariert und nicht in der Nacht, in der er endgültig aufgibt — und hakt er, weil er verschlissen ist, ist es ein Mangel der Mietsache: Dann ruf zuerst Vermieter oder Hausverwaltung an.

Sekundenkleber an das abgebrochene Bruchstück

Der Gedanke ist naheliegend: ein Tropfen Kleber auf den Rest des Schlüssels, andrücken, ziehen. Was tatsächlich passiert, ist das Gegenteil. Der Kleber läuft in den Zylinder, verbindet das Bruchstück mit den Stiften und mit dem Gehäuse — und aus einem Bruchstück, das ein Fachbetrieb mit dem passenden Werkzeug herausholt, wird ein Zylinder, der nur noch ausgebohrt werden kann. Es ist einer der wenigen Handgriffe, die eine Situation von reparierbar auf unreparierbar umschalten.

Für den abgebrochenen Schlüssel nennt ohnehin keine Verbraucherschutz-Stelle ein Preisband — weder der ADAC noch die Verbraucherzentralen noch Stiftung Warentest. Du gibst damit den einen Fall ohne Preisanker in den einen Fall ohne Preisanker und ohne Rückweg. Dazu kommt der Beleg: Brach der Schlüssel, weil der Zylinder verschlissen war, ist das ein Mangel der Mietsache, der Auftrag gehört dem Vermieter, und dein Beweis dafür sind das Bruchstück und der alte Zylinder. Eingeklebt beweisen beide nichts mehr.

Am klemmenden Schlüssel ziehen und reißen

Ein Schlüssel, der sich nicht mehr bewegen lässt, ist eine Warnung und keine Aufgabe für Kraft. Messing ist weich, und er bricht dort, wo er am dünnsten ist — also im Zylinder. Damit wechselst du aus dem Fall, für den es eine belegte Zahl gibt, in den Fall, für den es keine gibt: Für den steckenden wie für den abgebrochenen Schlüssel veröffentlicht keine der zitierten Stellen ein Preisband.

Wenn der Schlüssel klemmt und du noch drinnen bist, ist das kein Notfall, sondern die letzte Gelegenheit, es billig zu lösen: Tür offen lassen, am nächsten Werktag einen ortsansässigen Betrieb rufen, Zylinder in Ruhe tauschen lassen. Ist es die Mietwohnung und der Zylinder verschlissen, ist es ohnehin Sache des Vermieters.

Jemanden losfahren lassen, bevor der Komplettpreis steht

Das ist der teuerste Fehler dieser Liste, weil er nichts kaputt macht und trotzdem am meisten kostet. Der Auftrag kommt am Telefon zustande, und der dort genannte Preis ist der vereinbarte. Wird keiner genannt, schuldest du die ortsübliche Vergütung — und die musst du hinterher gegen eine Rechnung durchsetzen, die vor deiner bereits offenen Tür entstanden ist. Wer erst dann verhandelt, verhandelt aus der Notlage heraus, die er gerade beseitigt hat.

Deshalb muss vor der Abfahrt eine Zahl stehen, kein „ab“: der Komplettpreis mit Anfahrt und allen Zuschlägen, für die Situation, die du geschildert hast. Dazu der Ort, von dem gefahren wird, die Firmenadresse und die Zusage einer Rechnung mit Umsatzsteuer. Notiere Name, Uhrzeit und Zahl. Der ADAC nennt Forderungen von 300, 500 oder gar 800 Euro für eine einfache Öffnung am Tag als starkes Warnsignal; die Verbraucherzentrale Hamburg hält 100 Euro tagsüber und 180 Euro nachts und am Wochenende für eine einfache Öffnung ohne Austausch des Schlosses für angemessen. Die vollständige Liste der Fragen steht unter Was du vor dem Auftrag fragst.

Wo die Grenze dieser Seite liegt

Was du selbst versuchen darfst, endet dort, wo Werkzeug oder Technik anfängt. Diese Seite nennt deshalb keine Methode, ein Schloss zu überwinden, und sie wird auch keine nennen — nicht, weil das Wissen geheim wäre, sondern weil jede solche Anleitung an einer fremden Tür genauso funktioniert wie an der eigenen. Die Kreditkarte steht hier ausschließlich deshalb, weil so viele Menschen danach suchen und niemand ihnen sagt, was sie dabei kaputt machen.

Der zweite Grund ist praktischer: Es gibt nichts zu gewinnen. Bei der nur zugezogenen Tür — dem Regelfall der Aussperrung — ist die Öffnung ohne Schaden nach Aussage der Innung in 99 Prozent der Fälle möglich, und sie dauert Minuten. Jeder eigene Versuch mit Technik macht diese Minuten länger und das Ergebnis schlechter.

In welcher Reihenfolge ein Fachbetrieb dabei vorgeht — und warum auch dort keine einzige Methode erklärt wird — steht unter Aufsperrmethoden: in welcher Reihenfolge geöffnet wird.

Wenn doch jemand kommen muss

Dann ist die Reihenfolge weiterhin das, was dich schützt. Kläre zuerst den Türzustand, denn er entscheidet über die Arbeit und über den Preis: Die fünf Fälle stehen als Zeichnung auf Türzustand vergleichen, jeweils mit der Zahl, die es dafür belegt gibt — oder mit der offenen Feststellung, dass es keine gibt. Führe dann das Telefonat mit der Liste der Fragen in der Hand und notiere die Antworten mit Uhrzeit und Namen. Beauftrage ausdrücklich die zerstörungsfreie Öffnung und verweigere die Zustimmung zum Bohren, bis der Grund genannt und der Preis für Zylinder und Einbau beziffert ist.

Und wenn die Rechnung trotzdem nicht zur Absprache passt: Du zahlst, was vereinbart war, streichst nicht vereinbarte Posten vor der Unterschrift oder unterschreibst mit dem Zusatz „unter Vorbehalt“. Was danach gilt, steht unter Deine Rechte nach dem Einsatz.

Häufige Fragen

Was mache ich zuerst, wenn ich mich ausgesperrt habe?

Kläre zuerst, ob die Tür nur zugezogen oder wirklich abgeschlossen ist, denn das entscheidet über die Arbeit und über den Preis. Dann telefoniere, bevor du irgendetwas an der Tür versuchst: Hausverwaltung oder Hausmeister, Nachbarn und Familie wegen eines Zweitschlüssels, und deine Versicherung wegen eines Schutzbriefs. Erst danach kommt ein Schlüsseldienst infrage, und auch dann erst, wenn am Telefon ein Komplettpreis mit Anfahrt und allen Zuschlägen genannt wurde.

Kann ich eine zugezogene Tür mit einer Kreditkarte öffnen?

In aller Regel nicht, und der Versuch schadet dreifach. Er zielt allein auf die schräge Falle und richtet an einem vorgeschobenen Riegel nichts aus, er zerstört meist die Karte und beschädigt Dichtung und Zargenkante, und er sieht für einen Nachbarn im Treppenhaus genauso aus wie ein Einbruch. Bei einer nur zugezogenen Tür ist die Öffnung ohne Schaden ohnehin der Normalfall: Die Innung selbst hält sie in 99 Prozent der Fälle für möglich, zitiert von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Übernimmt eine Versicherung die Türöffnung?

Manche Haus- und Wohnungsschutzbriefe übernehmen eine Türöffnung bis zu einer festen Summe und vermitteln selbst einen geprüften Betrieb; solche Bausteine stecken auch in manchen Hausrattarifen, in den Schutzbriefen von Automobilclubs und in den Leistungspaketen mancher Kreditkarten. Die Hausratversicherung allein zahlt dagegen erst nach einem Einbruch, und die Privathaftpflicht deckt bei mitversichertem Schlüsselverlust den Schaden am Schloss, nicht die Öffnung. Ruf deshalb zuerst deine Versicherung an und dann erst einen Betrieb: Wer selbst beauftragt, hat die Wahl des Betriebs und oft auch die Erstattung schon vergeben.

Was passiert, wenn ich das Schloss selbst aufbohre?

Du gibst die zerstörungsfreie Öffnung auf, die bei einer zugezogenen Tür der Normalfall ist, und machst aus dem Einsatz einen Zylindertausch. Für die einfache Türöffnung nennt der ADAC 80 bis 150 Euro am Werktag tagsüber und 150 bis 250 Euro nachts, am Wochenende und an Feiertagen; für den Materialpreis eines Schließzylinders nennt dagegen keine der hier zitierten Quellen eine Zahl. Dazu kommt, dass ein angebohrtes Schloss die Arbeit des Fachbetriebs verlängert, der danach kommt, und dass eine aufgehebelte Zarge ein Schaden an der Mietsache ist, den du selbst verursacht hast.

Der Schlüssel ist im Schloss abgebrochen — darf ich ihn mit Sekundenkleber herausziehen?

Nein. Der Kleber läuft in den Zylinder und verbindet das Bruchstück dauerhaft mit den Stiften und dem Gehäuse; aus einem Bruchstück, das ein Fachbetrieb herausholt, wird ein Zylinder, der nur noch ausgebohrt werden kann. Hebe das Bruchstück auf und später auch den alten Zylinder: War der Zylinder verschlissen, ist der abgebrochene Schlüssel ein Mangel der Mietsache, der Auftrag gehört dem Vermieter, und beide Teile sind dein Beleg dafür.

Was muss geklärt sein, bevor jemand losfährt?

Ein Komplettpreis als Zahl und nicht als Ab-Preis, mit Anfahrt und allen Zuschlägen, für die Situation, die du geschildert hast; dazu der Ort, von dem der Betrieb losfährt, die Firmenadresse und die Zusage einer Rechnung mit Umsatzsteuer. Notiere Name, Uhrzeit und Zahl. Der ADAC nennt Forderungen von 300, 500 oder gar 800 Euro für eine einfache Öffnung am Tag als starkes Warnsignal, und die Verbraucherzentrale Hamburg hält 100 Euro tagsüber sowie 180 Euro nachts und am Wochenende für eine einfache Öffnung ohne Austausch des Schlosses für angemessen.

Diese Seite ist ein Ratgeber, keine Rechtsberatung und kein Anbieterverzeichnis. Sie nennt keine Methode, ein Schloss zu überwinden. Die genannten Preise sind Orientierungswerte aus den Veröffentlichungen von ADAC, Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest; wo keine dieser Quellen eine Zahl nennt, steht hier keine. Im Einzelfall entscheiden Tür, Schloss und Uhrzeit. Bei einer konkreten Rechnung hilft die Verbraucherzentrale deines Bundeslandes.